2019-10-21 Was für eine Woche…

Diese Woche fing mit einem schönen Ereignis an, gleich zwei Geburtstage standen an – von meinem Bruder und von Simone. 😊 Den von meinem Bruder konnte ich leider nicht mit feiern 😥, aber den von Simone haben wir ein bisschen gefeiert.

Am Mittwoch habe ich meine vier Kinder geschnappt, das Kanu, die Paddel, die Schwimmwesten sowie ein Picknick und bin mit ihnen zur Laguna Grande gefahren. Das Boot vom Dach geschnallt, alles zum Wasser geschleppt und ab ging es über den See. Der Wind hat ganz schön geblasen und wir mussten uns ganz schön durchkämpfen. Aber es war schön. Wir haben sogar zwei Schildkröten auf einem umgekippten Baum im Wasser gesehen. Die Begeisterung war groß. Nach einer knappen Stunde waren wir wieder am Auto. Den Abend ließen wir mit einem Film ausklingen.

Steffen wurde dafür in der Schule verwöhnt. Es war Dia del profe. Auch dieser Tag wird gefeiert. Es gib extra einen Acto (Feierstunde mit Auszeichnung) und am Nachmittag ein Büfette für die Lehrer.

Donnerstag ging es wieder mit dem Kanu aufs Wasser. Dieses Mal überquerten wir den Rio BioBio. Leider konnte Friedrich nicht mit dabei sein, weil er lange Schule und Fußballtraining hatte. 🙁

Die erste Herausforderung haben wir geschafft 😉 – das Kanu zum Wasser die Böschung runter bringen. 😅

Wir sind noch nicht mal alle im Kanu, da platscht es laut neben uns. „War das ein riesen Fisch…das war kein Fisch. Das war sein Seelöwe!“ „Ich habe Angst. Ich will nicht mehr mit.“ Marie-Luise und Hans verlassen das Kanu wieder fluchtartig. Ich wollte gerade einsteigen. Mit etwas Überredung steigen sie doch wieder ein un die Fahrt kann endlich losgehen.

Nachdem wir etwas mehr als die Hälfte geschafft haben, sitzen wir auf einer Sandbank fest. Steffen steigt aus und zieht uns ein weites Stück. Als wir dann das zweite Mal festsitzen, reicht es Marie-Luise – sie steigt aus und zieht mit.

Mit genügend Wasser unterm Kanu fahren wir dann ein Stück flussabwärts und queren ihn dann wieder zurück. Ich bin schon etwas fertig. Der Fluss hat so viele Wirbel, die es echt schwierig machen, das Kanu auf Kurs zu halten.

Freitagabend ist Steffen bei einer großen Lehrertagsfeier, organisiert vom Vorstand der Schule. Es war alles sehr gediegen und fein. Eines können die Chilenen auf jeden Fall – FEIERN. 😅 An diesem Abend erfährt Steffen das erste Mal von den Unruhen in Santiago. Und wir erst am nächsten Morgen.

Samstag hat Friedrich vom Sportclub aus ein großes Fußballturnier. Und der Rest der Familie macht sich auf in Richtung Halbinsel Hualpen. Wir haben auf der Karte irgendeine Ruine entdeckt, die wir uns live ansehen wollen und von dort aus etwas wandern/entdecken gehen wollen. Der Ort heißt Caleta Chome. Martje erzählt uns, dass die Ruine eine alte Walfabrik ist. Davon ist aber nichts mehr zu sehen. Es sind auch keine Schautafeln da. Und ich dachte schon, dass es eine Schloss-Ruine oder so etwas sei.

Dieser kleine Ort ist dafür ein Ausgangsort zum Tauchen. Als wir ankamen, machte sich gerade eine kleine Gruppe bereit zu tauchen. Die Kinder schauen fasziniert zu.

Steffen schlendert hinterher, weil er schon am Auto so viel zu entdecken hat.
Wow, ist das interessant!
Und ich bestaune die Umgebung. Es sind Unmengen von Vögeln über den Felsen. Ganz Schwärme von Pelikanen.
Die alte Walfabrik von oben.
Der Blütenstand einer Agave.
Unsere Entdeckercrew

Nach einem Picknick und dem ausgiebigen Beobachten der Bundscharben, begeben wir uns wieder auf Entdeckertour. Wir finden einen winzigen Trampelpfad runter zum Geröllstrand und folgen der Küste bis zu den großen Höhlen. War das cool!

In einem Gezeitentümpel finden wir Unmengen Seesterne, Seeigel …
… und Käferschnecken.
Steffen möchte unbedingt einen Seestern aus dem Wasser holen, erwischt aber nur einen Seeigel. Selbst die Kälte nimmt er dafür liebend gerne in Kauf.

Steffen möchte nicht wieder den selben Weg zurück gehen, also erklimmen wir den Küstenhang, kämpfen uns durchs Gebüsch und Agavendickicht. Wir haben alle kleinere Schrammen als Erinnerung davongetragen. Zum Glück fanden wir dann doch noch einen Weg.

Gegen 15:15 sind wir wieder zu Hause und müssen auch gleich wieder los. Heute ist noch eine Aktivität für die Kinder in der Kirche und ich bin noch soooo fertig von der Tour. 🤨 Steffen geht also zu Friedrichs Fußballturnier und ich gehe mit den drei anderen zur Aktivität. Es trafen sich 6 Gemeinden. Jede hat ein kleines Märchen einstudiert und vorgeführt. Unsere Kinder haben „Der Hirtenjunge und der Wolf“ aufgeführt.

Hans war der Jäger, Marie-Luise und Paul waren Bäcker. Ursprünglich sollte Paul der Hund von Hans sein, aber er war recht müde und hatte keine Lust drauf.

Während der Aktivität schrieb mir Steffen, dass das Turnier vorzeitig abgebrochen wurde, weil es große Unruhen in Concepcion gab. Nun ist es also auch hier. Hier in San Pedro de la Paz haben wir davon nichts mitbekommen. Wir sind ruhig schlafen gegangen.

Sonntagmorgen ging es dann heiß her in den Klassenchats. Da haben wir dann langsam mitbekommen, dass es zu großen Ausschreitungen, mit brennenden Barrikaden, gekommen ist. Die Kirchenführer haben auf Grund dessen die Versammlungszeiten auf eine Stunde gekürzt. Nachmittags wurde dann eine Ausgangssperre für 22:00 angekündigt. Diese wurde dann auf 20:00 vorverlegt, weil es in einigen Stadtteilen zu Plünderungen gekommen war. Für die staatlichen Schulen wurde für Montag der Unterricht ausgesetzt. Die privaten Schulen müssen das selber entscheiden. Gegen 14:30 kam die Information, dass auch für uns die Schule am Montag ausfällt. Wir verbrachten den Nachmittag mit Gesprächen und Brettspielen bei Familie Würth. Durch die uns erreichenden Informationen wurde die Stimmung immer angespannter.

Zu Hause angekommen, packten wir unsere Notrucksäcke und besprachen, wie wir uns im Notfall verhalten. Die Kinder halfen wie die Bienchen. Sie wollten überhaupt nicht ins Bett gehen, kamen dann aber relativ schnell zu Ruhe und schliefen gegen 21 Uhr ein. Nur Friedrich wollte einfach nicht ins Bett. Er wollte auch die Bilder und Nachrichten sehen. Mit einem etwas mulmigen Gefühl gingen wir dann schließlich 23:00 ins Bett. Vorher schaute ich noch mal aus dem Fenster und sah es in Concepcion brennen – schon wieder. Aber bei uns ist alles ruhig!

Hoffentlich kommen die Notrucksäcke NIE zum Einsatz!

So schnell kann sich das Blatt wenden: Am Samstagvormittag erleben wir noch Natur-Abenteuer und Sonntagabend die Unruhen eskalierender Demonstrationen.

2 thoughts on “2019-10-21 Was für eine Woche…

    1. Liebe Susanne,

      Im Moment sind friedliche Demonstrationen in Concepcion. Die Menschen gehen mit Töpfen sowie Topflöffeln auf die Straße, machen Krach und brüllen ihre Forderungen. Es gibt halt immer irgendwelche Idioten, die randalieren, zerstören und plündern müssen. 😡 In unserer Wohngegend ist es friedlich.

      Liebe Grüße, Dani

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