2020-01-13 Nationalpark Cerro Castillo

„Heute Nacht schlafen wir in Argentinien“. Mit diesen Worten starten wir im verregneten Regenwald in Puerto Cisnes und fahren Richtung Coyhaique. Die Straßen sind asphaltiert und es läuft super. Aber dann geht es auf einmal von der asphaltierten Straße auf eine Schotterpiste. Die Schilder weißen diese als Carretera Austral aus, also fahre ich da weiter. Jetzt geht es natürlich nicht mehr so schnell weiter. Irgendwann werden wir dann doch stutzig und sehen auf der Karte nach. Ja, das ist die richtige Straße, aber die asphaltierte hätte uns schneller ans Ziel gebracht. Mittlerweile hat sich der Regen auch verzogen und wir fahren durch steppenartige Landschaft. Es sieht ganz anders aus. Der Wechsel von Regenwald zu Grasland ist schon ziemlich krass.

Auf Grund der längeren Zeit und des Wetterwechsels beschließen wir kurzer Hand doch nicht nach Argentinien zu fahren, sondern der Carretera Austral weiter zu folgen. Wir würden jetzt durch den Nationalpark Cerro Castillo fahren und hätten ziemlich gute Chancen Huemuls zu sehen. Steffen ist schon ganz heiß.

In Coyhaique tanken wir, kaufen etwas Brot und fahren dann weiter. Die Straße führt uns zunächst durch eine Weidelandschaft und dann biegen wir in den Nationalpark ein. Wow, die Berge und die Flüsse und die Felsen und die Schutthalten, einfach fantastisch. Ich fahre mit knapp 50 km/h durch den Nationalpark und wir halten die ganze Zeit Ausschau nach den Huemuls. Aber wir haben leider keine gesehen. Schade!

Es ist schon ziemlich spät und es ist ziemlich schwierig noch eine Cabana in Villa Cerro Castillo zu finden. Der Nationalpark zieht Scharen von Backpackern an. Laufend stehen welche an der Straße und trampen. Leider ist unser Auto zu voll und wir können keinen von ihnen helfen. Am Ende finden wir eine wunderschöne Cabana, zwar nur für vier Personen, aber sie ist sehr großzügig angelegt. Und wir sind ja mit Campingzeug bestens ausgestattet. Marie-Luise und Paul teilen sich die Eckcouch.

Am nächsten Morgen beschließt der Familienrat: Wir bleiben noch drei Nächte länger. Die Kinder genießen das Gelände um die Cabana. Friedrich kann endlich mal wieder Fußball spielen und die Büsche laden zum Indianer spielen ein. Friedrich hat gerade Winnetou gelesen. Aus seiner aktuellen Sicht ist das Buch sogar besser als Harry Potter.

Steffen fragt schnell bei der Besitzerin nach und ja, es klappt, wir können weitere 3 Nächte bleiben. Schnell noch Lebensmittel kaufen und auf geht es zum Wandern. Es steht nur ein kleiner Wanderweg zu einem Wasserfall und einem mirador (Aussichtspunkt) auf die beeindruckenden Berge an.

Die Kinder laufen vorne weg und spielen Indianer. Ist das herrlich! Alle vier spielen zusammen. 😍
Der Wasserfall.
Wir spielen und genießen das Ambiente. Ich könnte noch stunden dort sitzen, aber die Steine werden dann doch etwas kalt am Po. 😅
Der Ausblick ist traumhaft schön.
Friedrich posiert immer lieber vor der Kamera. 😅
Paul und Hans kommen als nächstes am Ziel an.
Marie-Luise musste ich erst motivieren überhaupt noch weiter zu gehen.
Auch Paul ist ein super Fotomodell 😉

Das einzige Mango an dem Nationalpark ist, dass wir Eintritt für die Wanderwege bezahlen müssen. Es gibt Wandertouren für 3 bis 4 Tage und da muss man ganze 29.000 Peso pro Person bezahlen. Ganz schön teuer. Es war eine schöne Wanderung! Abends grillt Steffen und es gibt Reis und Erbsen dazu. Die Kinder spielen Fußball und Indianer. Es ist herrlich! 😀

Ich backe einen Hefekuchen.
Unsere Cabana.
Alle vier spielen zusammen Fußball.

 In maps.me finde ich noch einen anderen Wanderweg weiter im Park drinnen. Dazu müssen wir erst wieder ein Stück mit dem Auto Richtung Cohaique fahren. Das Höhenprofil sieht schön einfach aus und es verspricht ein schöner Spaziergang zu werden. Wir packen unsere Siebensachen zusammen und fahren los. Auf der Hinfahrt vorgestern habe ich die Stelle super gesehen. Nur heute finde ich sie leider nicht auf Anhieb. Ich fahre 11 km zu weit. Wir wenden und fahren wieder zurück und auf dem Rückweg sehen wir sie endlich – die Huemuls. Nur gut, dass ich mich verfahren habe! 🤣

Huemuls – wir haben gedacht, dass sie viel kleiner sind.

Am Wanderweg kommen wir nach ca. 1 km zum Einlass. Hier müssen wir wieder Eintritt bezahlen. Der nette Mann sagt: „Wenn ihr noch ein wenig das Tal hochlaufen und spielen wollt, braucht ihr von mir aus nicht bezahlen. Aber in 2 Stunden kommt jemand anderes und der ist viel strenger. Außerdem ist der Weg nicht sonderlich interessant. Es geht über Farmland. Außerdem  müsstet ihr durch kniehohe Flüsse waten. Fahrt einfach ein Stück Richtung Villa Cerro Castillo und haltet einfach irgendwo an und geht in den Park“. Das machen wir dann auch. Am Auto werfen wir erst noch ein paar Steine in den Fluss. Wir wollen gerade losfahren, da kommt ein Paar auf uns zu und spricht uns an. Wir haben sie schon auf dem Vulkan Chaiten getroffen. Sie kommt aus Jena und er hat ein Semester in Valdivia studiert. Sie wollen den 4 Tage Trail gehen und haben noch einen anderen jungen Mann getroffen, der auch mit möchte. Sie warten jetzt noch auf ein anderes Mädel. Der andere deutsche junge Mann ist mit dem Fahrrad unterwegs. Die Straße mit Fahrrad und Gepäck…Hut ab!!! Wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist er allein unterwegs.

Wir verabschieden uns und fahren wieder Richtung Cabana und halten nach einem Projekt Ausschau. Und dann finden wir eines – ein Tal auf der linken Seite. Wir müssen erst ein Flüsschen überqueren und dann einem Bach folgen. Die erste Herausforderung ist schon mal den Fluss trockenen Fußes zu überqueren.

Wo kommen wir jetzt am Besten rüber?
Wir bauen eine kleine Brücke.

Steffen und die drei Großen überwinden den zweiten Teil per Sprung:

Wir folgen dem Bach in die Schlucht hinein.
Und noch eine Überquerung.

Nach dem wir einen kleinen Wasserfall überwunden haben, machen wir eine Pause.

Wo geht es jetzt am Besten weiter???
Hans entscheidet sich für diesen Weg. Friedrich und Marie-Luise für die andere Seite.

Ich folge dem Bach noch etwas weiter. Eine echte Herausforderung – klettern, aufpassen nicht abzurutschen, Weg finden. So liebe ich es! Marie-Luise und Steffen folgen mir mit etwas Abstand. Irgendwann geht es dann wirklich nicht mehr weiter. Außerdem möchte ich die Jungs nicht so lange allein lassen. Wir kehren zur Pausenstelle um. Wir bauen noch Steinmännchen und gehen dann zurück.

Auf dem Rückweg zu den Anderen.
Steffens Steinmännchen.
Ohne Worte. 😂
Auf dem Rückweg zum Auto.
Paul hat endlich einen tollen Schleifstein gefunden.

Zurück in der Cabana bauen die Kinder ein Zelt aus unseren zwei Decken und mit Strick. Marie-Luise bereitet die Verpflegung vor. Steffen schläft eine Runde.

Sonntag fahren wir 1 ½ nach Cohaique um in die Kirche zu gehen. Dank der Baustellen brauchen wir länger als geplant, aber wir kommen noch einigermaßen pünktlich. Durch das viele Fahren bekommt man ein anderes Gefühl für Entfernungen. Und so ist die lange Anfahrt gar nicht so schlimm. 😅

Auf dem Rückweg nehmen wir zwei Tramper mit. Sie kommen aus Santiago und wollen auch den 4-Tage-Trail gehen. Und die beiden können sogar ziemlich gut Englisch. Eine Seltenheit hier in Chile. Nachdem wir sie abgesetzt haben, suchen und finden wir eine Picknick-Stelle am Fluss. Der Sonntagnachmittag verläuft super ruhig. Wir lesen und spielen und schlafen und essen.

Zum Abendessen wird noch mal gegrillt.

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Süden und zwar in Chile. Auf Grund des besseren Wetters wollen wir nun doch noch weiter Richtung Süden.

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