Nun ist es also so weit. Unser chilenischer Alltag beginnt. 😀 5:30 klingelt der Wecker für Papa und 5:45 für den Rest der Familie. Unsere ganz normale Aufstehzeit aus Deutschland also. 😅 7:50 beginnt der Unterricht, für Paul geht es 8:00 los. Heute müssen wir allerdings schon 7:30 da sein, weil wir noch ein paar Dinge im Sekretariat klären müssen. Die drei Großen sollen hier von ihren Klassenleitern abgeholt werden.

Es folgt ein kleines Video, wie wir in die Schule gehen 😀

Nachdem alles geklärt ist und die großen verkauft sind, bringen wir Paul in den Kindergarten – Herr Würth, Steffen und ich. Die Kindergartenleiterin erwartet uns schon. Und auch Simone ist da. Jetzt kann nichts mehr schief gehen. 😊

Ich darf Pauli an seinem ersten Tag begleiten. Normalerweise gibt es in Chile keine Eingewöhnungszeit. Die Kinder werden einfach abgegeben. Simone hat bei ihrem Jüngsten darum gekämpft, dass sie die ersten Tage dabei sein darf. Dank ihr ist es für mich somit kein Problem. Allerdings hätte das Paul auch so hinbekommen. Nur so ist es schöner und etwas einfacher für ihn. Und ich bekomme einen Eindruck vom Kindergarten und seiner Arbeit.
Montag ist Klasse! Die Kinder fangen gleich mit Sport an. Was für eine Freude für Paul. Es kommt extra ein Sportlehrer aus der Schule holt die Gruppe ab und macht Sport in der Turnhalle mit ihnen. Es beginnt mit einer Erwärmung, geht mit Spielen weiter und endet mit 10 Minuten Freispiel.
Nach dem Sport setzten sich alle Kinder wieder in den Kreis. Jede Phase beginnt und endet im Gruppenkreis auf dem Teppich. Wenn sie morgens kommen, sagen sie erst den Tanten „Guten Morgen“ mit Umarmung und Küsschen, setzten sich dann in den Kreis und warten auf die anderen Kinder. 8:00 klingelt es und es geht los. Montag beginnen sie mit Sport, Dienstag weiß ich nicht, Mittwochs haben sie Deutsch mit einer Deutschlehrerin, Donnerstag wieder Sport und Freitags beginnen sie mit Musik, wieder mit einer Lehrerin.
Zurück zu Paulis erstem Tag. 😉 Nach dem Sport sitzen die Kinder also wieder im Kreis und verteilen die Tagesaufgaben – abwaschen, abtrocknen, Biomüll entsorgen, … 9:00 gibt es Frühstück im Gruppenraum. Jeder nimmt sich seinen Teller und holt sein Frühstück. Leider beginnen sie nicht gemeinsam mit dem Essen. Jeder beginnt für sich allein.
Nach dem Frühstück gibt es eine 30-Minuten-Pause. D.h. alle Kinder des Kindergartens gehen bei schönem Wetter raus und bei schlechtem Wetter treffen sie sich in einem großen Vorraum. Zwei Erzieherinnen haben Aufsicht und der Rest frühstückt in Ruhe im Erzieherinnenraum. In dieser Zeit dürfen die Kinder spielen was sie wollen und mit wem sie wollen.
Nach den 30 Minuten holen alle Erzieherinnen ihre Gruppe wieder ab und es geht im Gruppenraum weiter. Heute spielen sie 2 Spiele im Stuhlkreis. Das erste Spiel ist dazu da, dass die Kinder den Unterschied zwischen „vor, unter, neben, hinter, auf und zwischen“ lernen. Den Kindern macht es sichtlich Spaß. Danach spielen sie etwas ähnliches wie „Mein rechter, rechter Stuhl ist leer“. „Mein Stuhl, mein Stuhl, mein Stuhl ist leer und … soll kommen.“ Derjenige steht auf und geht auf seinen neuen Platz. Seine beiden ehemaligen Nachbarn müssen jetzt ganz schnell auf den leer gewordenen Stuhl schlagen. Der Schnellste darf als nächstes bestimmen, wer kommen darf. Pauli wird heute ganz oft gerufen. 😊
Nach diesen Spielen wird getanzt und gesungen – mit Hilfe von YouTube. Nach drei Tobeliedern (Hallo Flieger, Hampelmann, ein spanisches) kommt ein Entspannungslied im Sitzkreis, sogar mit Kerze. 😀
Und jetzt wird gearbeitet. Jedes Kinde darf sich eine Aufgabe aussuchen und sie lösen. Die Aufgaben folgen dem Motessorie-Prinzip. Es gibt Aufgaben zu verschiedenen Themen: Mathematik, Deutsch/Spanisch, Alltag, Motorik usw.
Und dann ist der Tag auch schon fast vorbei. Die Kinder dürfen sich nun aussuchen, was sie spielen wollen. Pro Angebot ist die Anzahl der Kinder minimiert. Die Tante entscheidet in welcher Reihenfolge die Kinder sich ihr Spiel aussuchen dürfen.
Heute gab es zum Schluss noch etwas Besonderes für jedes Kind – ein Zeugnis. Hier an der deutschen Schule bekommen die Kinder ihre Halbjahreszeugnisse nach den Ferien und auch in der Vorschulgruppe gibt es eine Art Zeugnis.
13:00 ist der Kindergarten vorbei. Wir gehen nach Hause, waschen ab und gehen wieder los. 13:50 ist die Schule für Hans und Marie-Luise vorbei. An ihrem ersten Tag möchte ich sie gerne abholen. Also gehen Paul und ich die 5 Minuten wieder zurück zur Schule.
Hans und Marie-Luise sind total begeistert. Sie haben schon jemanden gefunden, der ihnen Hilft und übersetzt. Marie-Luises Klassenlehrerin kann kein Deutsch. Aber ein Mädchen in ihrer Klasse kann super Deutsch. Alle wollen ihnen helfen. 😀 Hans hat schon seine erste Hausaufgabe. Nächste Woche Montag wollen sie einen Roboter aus beliebigen Material bauen. Mindestens ein Teil muss beweglich sein.

16:05 ist dann auch für Friedrich und Steffen die Schule zu ende. Ein langer erster Schultag. Friedrich soll in zwei Wochen einen Vortrag auf spanisch über die Inkas halten. Angeblich will ihm die Lehrerin Stichpunkte und ein Plakat geben, die er auswendig lernen soll. ??? Keine Ahnung was das werden soll.
Offiziell beginnt Steffens Arbeitsvertrag erst ab 1.8.2019, aber er nutzt die Zeit zum Hospitieren und Kennenlernen des Schulalltags. Er ist ziemlich verblüfft über die mangelnde Disziplin der Schüler im Unterricht. Sie stehen einfach auf, wenn sie Lust haben, quatschen laut oder essen. Da kommt Steffen ganz schön ins Grübeln: „Wie werde ich meinen Unterricht gestalten? Wie gehe ich mit dieser Disziplinlosigkeit um?“.
In der Schule werden die Klassenräume nicht wirklich geheizt. Dementsprechend kalt kann es beim Sitzen werden. Sogar Friedrich hat gefroren, und das soll schon was heißen. 😉 Auch ich komme nach dem Kindergarten völlig durchgefroren nach Hause.
Nachdem nun alle zu Hause sind, gehen wir alle gemeinsam noch einkaufen. Und am Abend kam Natalia noch zum Mietvertrag unterschreiben vorbei.